HANDBALLVEREIN VALLENDAR E.V.

SIEG VERSPIELT!

Die Vallendarer Löwen müssen gegen den TV 05 Mülheim Sekunden vor Schluss den Ausgleichstreffer zum 22:22 hinnehmen!

| Team I

In einem packenden und dramatischen Derby musste sich der HV Vallendar am Freitagabend mit einem Unentschieden gegen den TV 05 Mülheim begnügen. Dabei waren die Vallendarer lange Zeit überlegen, verpassten eine vorzeitige Entscheidung und mussten in den letzten Sekunden den Ausgleich per Siebenmeter hinnehmen.

Es waren nur noch 40 Sekunden auf der Anzeigetafel der ausverkauften Sporthalle auf dem Mallendarer Berg. Vallendar führte mit 22:21 gegen den ewigen Rivalen TV 05 Mülheim und hatte Ballbesitz. Wolfgang Reckenthäler nahm seine finale Auszeit und stellte seine Jungs auf den wohl entscheidenden letzten Angriff ein. Der vereinbarte Spielzug funktionierte nicht, das passive Vorwarnzeichen kam. Oliver Lohner versuchte sich vergeblich gegen Mülheims Mittelblock durchzusetzen, passte nach hinten zu Kalani Schmidt. Die Aktion wurde abgepfiffen und Mülheim bekam den Ballbesitz zugesprochen. Philipp Schwenzer hastet zum abgelegten Spielgerät und wurde dabei von Lohner gestört. Die Unparteiischen zögerten kaum, verwiesen Lohner des Feldes und sprachen dem TV 05 einen Strafwurf zu. Schwenzer gegen Burgard lautete das Duell, welches der Mülheimer Kreisläufer für sich entschied und damit zum 22:22 ausglich. Fünf Sekunden verblieben noch, doch die letzte Angriffsbemühung verpuffte. Für den HVV war es eine gefühlte Niederlage, Mülheim feierte sich und den nervenstarken Schwenzer.

Dabei war Vallendar über die gesamten 60 Minuten eigentlich die gefühlt bessere Mannschaft. Reckenthäler und Waldgenbach überraschten den Rivalen von der anderen Rheinseite mit einer geänderten Deckungsformation. Anstatt der bewährten 3:2:1-Variante wählte man die etwas defensivere 6:0-Formation. Mülheim wirkte dadurch überrascht und sah sich einem soliden Innenblock um Stein, Strüder und Schaub gegenüber. Reckenthäler: „Wir hatten das die Woche trainiert und waren uns dann sicher, dass wir so etwas kompakter gegen den wurfstarken Rückraum stehen würden. Einen kleinen Überraschungseffekt gab es obendrauf, da wir dieses System ja eher selten spielen.

Der HVV bestimmte dann auch die Anfangsphase und ging umgehend mit 3:1 (4. Minute) und 5:3 (9. Minute) in Führung. Erst allmählich wurde der Gast stärker und zog nach 17 Minuten beim Stand von 8:8 wieder gleich. Bis zur Pause verlief das Duell Kopf an Kopf, jedoch scheiterte der HVV schon da mehrmals freistehend am starken Mülheimer Keeper Tobias Zelter. Allen voran Jonas Strüder und Christian Schaub, die beide überragende Leistungen zeigten, war es zu verdanken, dass die Löwen mit einem 12:12-Unentschieden in die Pause gingen.

Vallendar verspielt Vorsprung

Nach dem Seitenwechsel hatten, wie bereits im ersten Durchgang, die Hausherren das bessere Momentum. Angeführt von Spielmacher Busse agierte der HVV abgeklärt und mit Bedacht. Hinten stand die Abwehr dichter, ließ den Mülheimer Angreifern kaum Platz und entschied eine Vielzahl an Zweikämpfen für sich. Nach dem 16:13 durch Schaub (37. Minute) wirkte es, als könne Vallendar jetzt einen richtigen Lauf hinlegen. Der TV war angeknockt und taumelte beträchtlich. Reckenthäler: „Da hatten wir Mülheim wirklich im Griff und hätten das Spiel mehr zu unserer Gunst beeinflussen müssen. Aber Derbys haben ihre eigenen Gesetze, bei uns war kurze Zeit dann die Luft raus, dadurch kam der Gegner wieder ran.“

In der Tat schien die schnelle und hart umkämpfte Partie langsam ihr Tribut einzufordern. Mehrere Fehlwürfe und technische Fehler wechselten sich ab und Mülheim konnte einen 1:5-Lauf für sich verbuchen. Dadurch war der HVV eine Viertelstunde vor dem Ende wieder mit einem Tor hinten (17:18). In einer an Dramatik kaum zu übertreffenden Schlussphase schoss Strüder, der zwischenzeitlich mit Nasenbluten behandelt werden musste, seine Farben wieder in Front. Mülheim glich beim 20:20 durch Schwenzer erneut aus, Vallendar antwortete mit einem Doppelpack von Busse und Offermann – da waren noch exakt 1:30 Minuten zu absolvieren. Eine Minute vor dem Ende netzte Martin Langen ein, dann folgten die dramatischen Sekunden, in denen Mülheims Philipp Schwenzer eiskalt blieb.

Trotz des Punktgewinns war es für den HV Vallendar nicht nur vom Ergebnis, sondern auch im Kampf um den sicheren Klassenerhalt, eine gefühlte Niederlage. Am Samstagabend konnte der direkte Konkurrent Kastellaun/Simmern, die am letzten Spieltag der Saison im Löwenkäfig gastiere, in heimischer Halle die HSG Eckbachtal deutlich mit 34:21 schlagen. Völklingen hingegen verlor in Bingen mit 21:19. Die Saarländer haben nun zwei Punkte Vorsprung auf Vallendar, empfangen noch Budenheim und reisen dann zum bereits feststehenden Absteiger nach Homburg. Kastellaun spielt noch in eigener Halle gegen Zweibrücken und tritt dann eben beim HVV an.

Die Löwen benötigen Schützenhilfe und müssen selbst auf jeden Fall Kastellaun/Simmern schlagen und auch in der Woche nach Ostern bei der HF Illtal mindestens einen Zähler erspielen, möchten man nicht noch nach Saisonende auf die Relegationsspiele des TV Hochdorf schielen.

Die Stimmen zum Spiel

Jonas Strüder: „Am Ende haben wir wieder unüberlegt agiert und den Sieg hergeschenkt. Da waren wir wieder nicht clever genug. Aber eigentlich hätte es zu dieser Situation gar nicht kommen dürfen. Wir hatten Mülheim eigentlich im Griff und waren dominant. Doch wir konnten die 3-Tore-Führung nicht ausbauen, gerieten stattdessen wieder in Rückstand. Jetzt wird es natürlich unheimlich schwer noch an Völklingen oder Kastellaun vorbeizuziehen. Wir werden aber alles daransetzen, um das Maximum aus den letzten zwei Spielen zu holen.“

Christian Offermann: „Wir standen uns wieder selbst im Weg und waren am Ende irgendwie ein bisschen zu dämlich, um zu gewinnen. Es ist schon sehr frustrierend, wenn du eigentlich über 60 Minuten spielbestimmend bist und dann noch so den Ausgleich hinnehmen musst. Das Ergebnis fühlt sich eher an wie eine Niederlage, vor allem weil Kastellaun uns keinen Gefallen getan hat.“

Nach der freien Osterwoche geht es in die finale Phase der Saison. Am Samstag, 27.04.2019 ist um 18:00 Uhr Anwurf bei der HF Illtal, ehe dann zum Saisonabschluss das „kleine“ Rheinland-Derby gegen Kastellaun/Simmern die Saison komplettiert.

Daten zum Spiel

HVV: Burgard, Boinski (beide im Tor), Strüder (9), Busse (5), Schaub (5), Woods (1), Offermann (1), Stein (1), Lohner, Hertz, K. Schmidt, F. Schmitt, Krechel.

TV 05: Zelter, Winkel, Stromberg (alle im Tor), Zerwas (7/2), Schwenzer (4/2), Hommen (4), Becker (3), Langen (2), Dahmen (1), Rieder (1), Vogt, Backes, Mittmann, Bauer.

Bes. Vorkommnis: Disqualifikation für Oliver Lohner (59:50)